Reiseberichte - Eindrücke und Berichte unserer Urlauber

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Spanien, Barcelona

Am Ende meines ersten Tages in Barcelona stehe ich auf dem Plaça Reial. Ich gehe zu dem Drei-Grazien-Brunnen vor, an dem sich eine Touristengruppe gegenseitig fotografiert und betrachte die hohen Fassaden der klassizistischen Bauten, die den Platz einrahmen. Obwohl hier eine Menge los ist, Kinder durcheinander laufen, Pärchen an den Tischen der zahlreichen Cafés sitzen und ältere Einheimische sich lautstark unterhalten, wirkt der Ort überraschend friedlich. Genau diese Atmosphäre habe ich mir vorgestellt, als ich die Lastminutereise bei reisezauber.com buchte. Plötzlich sehe ich, wie ein kleiner Junge sich von der Hand seiner Mutter löst, über den Rand des Brunnen klettert und in das Wasser springt. Sie schreit ihm etwas auf Spanisch nach, aber der Kleine planscht schon lachend in dem Brunnen. Ich kann ihn verstehen. Hier in Barcelona ist es mindestens fünfzehn Grad wärmer als am Düsseldorfer Flughafen, von wo ich heute Morgen los geflogen bin. Ich könnte auch eine kleine Abkühlung vertragen. Weil ich aber kein Kind mehr bin, dem man solche spontanen Aktionen verzeiht, weiche ich der Sonne unter den schattenspendenden Arkaden aus.

Ich überlegte gerade, ob ich mich auch in eines der Cafés setzen soll, als ich an einer Hauswand ein Flamenco Plakat sehe. Ohne einen weiteren Gedanken gehe ich durch die Eingangstür, über der in leuchtenden Lettern ‚Tarantos’ steht. Erst nachdem ich eine Karte für die nächste Vorstellung gekauft habe, wundere ich mich darüber, dass hier mitten am Nachmittag Flamenco getanzt werden soll. Doch sobald ich den Saal betreten habe, verschwindet jegliches Zeitgefühl. In diesen Raum sehe ich eine andere Seite Barcelonas. Kein Tageslicht dringt durch und es ist angenehm kühl. Die rötlich angestrahlte Bühne ist noch leer. Nachdem ich mit den anderen Gästen eine Weile an der Bar gestanden habe, betreten zwei Gitarristen, ein Sänger und eine Tänzerin die Bühne. Sie lassen einige stille Sekunden vergehen, bevor die Tänzerin ihre gespannte Grundhaltung verändert, die Arme erst vor ihrem Körper kreuzt, sie dann über ihren Kopf hebt und Gitarristen zu einem schnellen Lauf ansetzten. Nach einigen Takten werden sie rhythmischer und der Sänger hebt seine Stimme. Ich verstehe kein Wort von dem was er singt, aber die schmerzlichen Melodien berühren mich ebenso, wie die anderen Zuschauer. Wir alle starren gebannt auf die Bühne. Die Tänzerin beginnt einen komplizierten Rhythmus zu klatschen, wobei sie den Kopf stolz gehoben hält und ins Leere sieht. Langsam wiegt sie sich in ihrem langen roten Kleid hin und her, setzte schließlich ein paar Schritte und bewegt daraufhin ihre Füße so schnell, dass ich die einzelnen Tanzschritte kaum noch sehen kann. Angeblich ist der Flamenco gar nicht in Barcelona zuhause, aber diese Vorstellung beweist das Gegenteil.